19% oder 7% Mehrwertsteuer bei Lebensmittel?

Für den überwiegenden Teil der Produkte und Dienstleistungen wird in Deutschland ein Mehrwehrsteuersatz von 19% erhoben. Dies gilt allerdings nicht für die meisten Lebensmittel – hier wird nur ein ermäßigter Steuersatz fällig. Erfahren Sie, von welchen Faktoren die Steuerhöhe bei Nahrungsmitteln abhängig ist.

Gründe für die Einführung des ermäßigten Steuersatzes

Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Sachsen ist der Großteil der Lebensmittel mit dem ermäßigten Steuersatz von 7% belegt. Ferner handelt es sich bei drei Viertel der ermäßigten Artikel um Lebensmittel. Im Jahr 1968 aus sozialen Gründen eingeführt, sollte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz die Ausgaben für den lebensnotwendigen Bedarf in einem zumutbaren Rahmen halten und einkommensschwache Haushalte entlasten. Insbesondere soll dieser Familien, Rentnern sowie Bezieher niedriger Einkommen zugutekommen, da diese den Großteil ihrer Einnahme für Güter des täglichen Lebens ausgeben. Ziel war und ist es demnach, die Grundversorgung eines jeden erschwinglich zu halten. Zum Zeitpunkt der Einführung lag der ermäßigte Steuersatz noch bei 5%, der Regelsteuersatz dagegen bei 10%. Erst Mitte diesen Jahres plädierten einige Vertreter von Politik und Wirtschaft dafür, den Steuersatz einheitlich auf 19% festzusetzen.

 

Welche Lebensmittel einen Nachlass auf den Regelsteuersatz erhalten

Der ermäßigte Steuersatz fällt etwa auf folgende Lebensmittel an:

  • – Kartoffeln
  • – Mehl
  • – Gewürze
  • – Gemüse
  • – Früchte
  • – Tee
  • – Kaffeebohnen, -pulver
  • – Nüsse
  • – Milch
  • – Fleisch
  • – Fisch
  • – Zucker
  • – Butter
  • – Käse
  • – Trüffel
  • – Quark
  • – Eier (jedoch kein Eieröl oder gekochte Eier)
  • – Honig

 

Es gelten jedoch folgende Ausnahmen

Ohne Ausnahmen geht es offenbar nicht, so auch hier:

– Wird der Kakao, Cappuccino, Tee oder Kaffee trinkfertig aus dem Getränkeautomaten bezogen, entfällt die Ermäßigung.

-Bei Gemüse und Früchten hängt die Höhe des Steuersatzes davon ab, wie und ob sie verarbeitet wurden. Werden diese frisch im Supermarkt erworben, werden sie ermäßigt besteuert. Dies gilt auch für Marmeladen oder Smoothies. Für gewöhnliche Möhren-, Orangen- oder Apfelsäfte wird dagegen der volle Steuersatz fällig.

– Für Milchmischgetränke werden 19% berechnet, sofern im fertigen Produkt der Anteil an Milch oder des Milcherzeugnisses unter 75% liegt.

Die volle Mehrwertsteuer wird hingegen beispielsweise bei Mineralwasser, alkoholischen Getränken sowie bei sogenannten Luxusnahrungsmitteln wie Austern, Langusten, Schnecken, Hummer oder Kaviar fällig. Hinweis: Im Gegensatz zu Mineralwasser, wird Trinkwasser aus der Leitung mit 7% besteuert.

 

Steuersatz von Verzehrsituation abhängig

Die ermäßigte Mehrwertsteuer gilt in der Regel jedoch auch für weiterverarbeitete Lebensmittel wie Backwaren, Getreideerzeugnisse oder Fertiggereichte. Etwas kompliziert wird die Einteilung allerdings bei solchen Speisen, die nicht im Restaurant verzehrt sondern mitgenommen werden. Werden etwa Pizza oder Currywurst außer Haus gegessen, wird die Rechnung mit einer Mehrwertsteuer von 7% ausgestellt. Werden die Gerichte dagegen in der Pizzeria, Mensa, Betriebskantine oder Imbissbude gegessen, wird der volle Steuersatz berechnet. Der Grund: Die Nahrungsaufnahme vor Ort wird als Dienstleistung angesehen. Dies ist gerade auch dann der Fall, wenn der Gastronomiebetrieb seine Gerichte ausschließlich über ein Büffet anbietet. Davon ausgenommen bleiben Schnellrestaurants, die:

– keine Ablagevorrichtungen oder Tische getrennt vom Verkaufstresen bereithalten und

– das Gericht zum sofortigen Verzehr anbieten, ohne dieses etwa mit einer Verpackung zu versehen.

 

Bei Lieferungen durch Party- oder Cateringservice gilt der ermäßigte Steuersatz, es sei denn, es handelt sich dabei nicht um ein steuerlich begünstigtes Nahrungsmittel.
Hinweis: Die Mehrheit der Gastronomen weist grundsätzlich einen einheitlichen Steuersatz von 19% in der Rechnung auf, um in ihren Angeboten nicht unterschiedliche Preise ausweisen zu müssen.